Ungezwungen über Sex reden
Von Nadja Belviso. Aktualisiert am 01.02.2010
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Sexuelle Gewalt durch Mitschüler und Pornos auf dem Handy – das sind die Themen, mit denen Jugendliche immer wieder negative Schlagzeilen machen. «Nur ein winziger Teil der Jugendlichen geht allerdings so mit der Sexualität um. Nicht die Mehrheit, wie man aufgrund dieser Berichte meinen könnte», sagt der Männedörfler Schulsozialarbeiter Alex Michel. Er erlebt in seinem Alltag wache Jugendliche, die ein gutes Gefühl dafür haben, was ihnen gut tut und was nicht. Zusammen mit seiner Kollegin Tanja Portmann wird Michel am Mittwoch den Eltern der Mittel- und Oberstufenschüler von der Arbeit an der Schule Männedorf berichten. Der Titel des Referats «Zwischen Händchen halten und Internetporno» widerspiegelt seiner Meinung nach die Realität der Männedörfler Jugendlichen.
Klare Regel im Schulhaus
Dass vor allem auf den Handys der Buben Sexbilder aus dem Internet kursieren, streitet Alex Michel nicht ab. Doch beunruhigend findet er das nicht: «Wir haben früher die Altpapierbündel nach einschlägigen Heftli durchsucht, heute durchforschen die Jungs das Internet.» Er erlebe in der Mehrzahl mündige Jugendliche, die spüren, welche Bilder ihnen nicht gut tun und die dann von selbst darauf verzichten. «Ich verbiete ihnen nicht, Sexbilder anzuschauen, aber ich sage ihnen, wo sie aufpassen müssen, wie die gesetzlichen Bestimmungen sind und wo sie sich Fiktion von Realität unterscheidet.» Es sei wichtig, ihnen im Unterricht einen vertrauensvollen Rahmen zu bieten, in dem sie mit einem Erwachsenen über ihre Erfahrungen reden können.
Ein Problem seien die Handybilder dann, wenn es sich um illegale Inhalte handle, sagt Michel. Er weist die Jugendlichen immer wieder darauf hin, dass sie sich strafbar machen, wenn sie solche Darstellungen konsumieren und weitergeben. Auf dem Schulareal herrschen klare Handyregeln; wenn jemand beim Telefonieren erwischt wird, wird sein Handy beschlagnahmt. Die Inhalte werden anschliessend zusammen mit den Eltern überprüft. Die beiden Schulsozialarbeiter führen in Zusammenarbeit mit den Lehrern sowohl an der Mittel- als auch an der Oberstufe Aufklärungsunterricht durch. Und zwar geschlechtergetrennt. In der 6. Klasse geht es darum, von den Kindern zu hören, was sie beschäftigt. «In Gruppen versuchen sie, überhaupt mal eine gemeinsame Sprache zu finden», erklärt Alex Michel, «etwa welche Namen sie für ihr Geschlechtsteil verwenden.»
Aufklärung schützt
Themen, die nicht altersgerecht sind, besprechen die Schulsozialarbeiter nicht mit den Kindern. Wenn diese selbst solche Begriffe einbringen, erklären sie ihnen, dass sie achtsam umgehen sollen mit dem, was sie hören und sagen. «Es geht darum, niemanden zu überfordern», erklärt Michel.
Im Sexualunterricht an der Oberstufe wird vor allem die emotionale Seite behandelt, etwa die Frage, wie man sich einem Mädchen nähert, das einem gefällt. Es gehe in diesen Unterrichtsstunden auch darum, den Jungen den Druck wegzunehmen, bereits mit 14 den ersten Geschlechtsverkehr erlebt haben zu müssen. Für eine gesunde Entwicklung im Umgang mit der Sexualität sind die Eltern besonders wichtig, ist der Schulsozialarbeiter überzeugt. Er will sie ermutigen, im Alltag ungezwungen auf das Thema zu sprechen zu kommen. «Statt sie mit Fragen zu löchern, sollte man zum Beispiel von eigenen Erfahrungen aus der Jugendzeit erzählen», rät er. Aufklärung sei keine einmalige Sache, sondern ein Prozess, der beiläufig in den Alltag integriert werden soll. Und: «Ein aufgeklärtes Kind ist der beste Schutz gegen Übergriffe.» Der Orientierungsabend ist von der Elternbildung der Schule Männedorf organisiert. Die beiden Schulsozialarbeiter stellen sich vor und geben den Eltern die Möglichkeit sich auszutauschen und Fragen zu stellen. In einem Theorieteil erklären sie, welche Entwicklungsaufgaben Jungen und Mädchen zu bewältigen haben, und stellen neue Studien zum Thema vor.
Mittwoch, 3. Februar, 19.30 bis 22 Uhr, Referat «Zwischen Händchen halten und Internetporno», Aula Blatten, Schulstrasse 15, Männedorf.
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Erstellt: 01.02.2010, 04:00 Uhr
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