15. Februar 2010 09:00 Uhr
Freiburg
Wie war’s bei... Milow im Konzerthaus Freiburg?
Der belgische Sänger Milow hat in Freiburg einen hitverdächtigten Song nach dem anderen losgelassen. Das Publikum feierte ihn dementsprechend begeistert.
Der erste Eindruck: Alles ganz schön jung hier. Die ersten Reihen des Freiburger Konzerthauses waren fest in der Hand weiblicher Teenager. Dass diese sich dermaßen für einen ernsthaften Singer-/Songwriter mit musikalischen Wurzeln in den 1970er Jahren begeistern können, stimmt in Zeiten von DSDS mehr als hoffnungsvoll.
Set-List: Zwei Studioalben hat Milow in Belgien auf den Markt gebracht, in Deutschland erschien eine Zusammenstellung daraus. Kein ganz üppiges Repertoire also, dafür finden sich in den neunzig Minuten aber schon eine ganze Menge Publikumsfavoriten. Einige neue Stücke wie "Building Bridges" gibt es ebenfalls zu hören. Bei "Out of My Hands" übernimmt die quirlige Sängerin Nina Babet den Duett-Part von Marit Larsen. Die beiden Singles "You Don’t Know" und "Ayo Technology" werden ausführlich dargeboten, der Rest des Programms fällt aber keineswegs so stark ab, wie man das bei relativ neuen Künstlern mit Radiohits sonst befürchten muss.
Die Musik: Auch wenn "Ayo Technology" ein Hip-Hop-Cover ist – Milows musikalische Wurzeln sind eher in den 1970er Jahren zu suchen. Der Belgier, Jahrgang 1981, ist fasziniert von den großen Singer/Songwritern der damaligen Zeit, die ihre Kompositionen auch problemlos allein mit der Gitarre einspielen konnten. So sind auch seine Lieder ohne große Mätzchen arrangiert, der oft mehrstimmige Gesang kommt dadurch gebührend zur Geltung. Augenzwinkernd werden schon mal Vorbilder wie Bob Dylan mit "Knockin on Heaven’s Door" zitiert.
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Die Texte: "Mir liegt eben das Bittersüße" hatte Milow im Interview erzählt, und das merkt man vor allem seinen Texten an. Da geht es um geplatzte Träume, die Schwierigkeiten des Erwachsenenlebens, in "Stephanie" gar um eine Familientragödie, "Ich schreibe eigentlich gar keine Liebeslieder" kommentierte der Sänger dann auch schon fast entschuldigend das Auftrittsdatum am Valentinstag. Das macht seine Reflexionen aber nicht minder hörenswert.
Das Publikum: "Born in the Eigthies" heißt eines dieser nachdenklichen Stücke von Milow – für einen nicht unerheblichen Teil des Publikums wäre aber wohl "Born in the Nineties" zutreffender gewesen. Entsprechend enthusiastisch jubelte das Publikum ein langgezogenes "Miiilow" und sang mit. Die Mädchen in der fünften Reihe brachten es zudem fertig, einen Großteil der Konzertbesucher zum Aufstehen zu motivieren.
Was in Erinnerung bleibt: …ist neben einigen charmanten Ansagen des sympathisch-zurückhaltenden Jonathan Vandenbroeck, so Milows bürgerlicher Name, das letzte Stück des Abends. "Wir hätten gedacht, dies wird der ruhigste Abend der Tour", hatte Milow aufgrund des bestuhlten Konzertsaales eingeräumt. Falsch gedacht, und als Dank für die euphorische Stimmung lud er zum Finale seine jungen Fans zum Finale zu sich auf die Bühne. Die Handybilder davon dürften noch lange auf dem Schulhof der absolute Renner sein.
Bewertung: sehr gut
Kurzkommentar: Milow weiß um die Gefahren des One-Hit-Wonder-Dasein. Aber gegen diese scheint er gut gerüstet. Mit seiner mitreißenden Bühnenshow dürfte er noch längere Zeit die Konzerthallen füllen. Und auch die neuen Stücke lassen einiges an Ohrwurm-Potential erahnen. Eine weitere Cover-Version hat er dadurch so bald nicht mehr nötig.
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Autor: Stefan Rother
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